Freut euch im Herrn allewege, und abermals sage ich: Freut euch!
Freut euch, denn heute ist der Tag des Herrn, da Leib und Seele sich freuen dürfen in dem lebendigen Gott. Der Herr behüte unsern Eingang und Ausgang, dass wir nicht durch unsre Schuld uns den Segen dieses Tages verkümmern und zerstören. Freut euch im Herrn allewege - es gilt aber an diesem Sonntage in besonderem Sinn, denn der Herr ist nahe. Wohl ist er nie fern von den Seinen, sondern mitten unter ihnen, aber sein Nahesein tritt uns doch lebendiger vor die Seele und erquickt uns mehr in der festlichen Zeit, da wir seine gnadenreiche Menschwerdung feiern. Wo aber der Herr nahe ist, da ist Freude allewege. Christus macht nicht die Menschen traurig. Das Christentum ist nicht der Freude Feind. Vielmehr, der Heiland hat erst die Freude wiedergebracht vom Himmel auf die Erde. Denn er tilgt die Sünde und was ist Sünde anders als Traurigkeit! er schenkt uns Vergebung, Leben und Seligkeit, und verwandelt unsre Klage in einen Lobgesang. Er gibt uns Freude allewege. Die Freude im Herrn vergeht nicht. Die Freude, dass ich einen Heiland habe, die Freude, dass ich in ihm Gnade bei Gott gefunden; die Freude, dass Gott wieder mein Vater ist, und ich sein Kind - die Freude bleibt auch in Not und Tod. Diese Freude ist nun wieder da und will bei uns einkehren. O sage nicht: Ich kann mich nicht freuen, für mich ist jetzt Trauerzeit. Höre doch: Der Herr ist nahe! In ihm ist schon Alles überwunden; in ihm ist schon dein Sieg, deine Erlösung vorhanden. Halte es nur im rechten Glauben, dass in ihm die Erlösung von allem Übel nahe ist, dass mit ihm uns der Vater Alles schenken will, und Alles zum Besten wendet, so wirst du die selige Kunst lernen, dich in dem Herrn zu freuen allewege. Herr, unser Gott, du hast deinen eingebornen Sohn für uns Alle dahingegeben. O tue uns die Augen auf, die Größe dieser deiner Gabe, die Größe dieser deiner Liebe zu ermessen, damit diese Freude, die selige Freude im Herrn unser ganzes Herz und Leben erfülle und hindurchklinge durch alles Leid und alle Anfechtung der Welt, und wir in dieser Freude dir willig die Opfer unsres Dankes bringen, mit Herzen, Mund und Händen. Amen.
Eure Lindigkeit lasst kund sein allen Menschen.
Die Freude macht das Herz weich und weit, mild und sanft. Schon die irdische Freude tuts. Siehe den Geizigen, den Unversöhnlichen, dem das Geben und Vergeben so hart ankommt: an dem Tage, wo ihm eine große Freude zu Teil wird, da öffnet er Hand und Herz. Wenn ihr Freudentage in eurem Hause feiert, da könnt ihr gar nicht Andern ein Leid zufügen, hart und rau gegen sie sein. Schon die irdische Freude macht die Herzen lind; wie viel mehr aber die Freude im Herrn! Freuen wir uns doch in ihr der wunderbaren Lindigkeit Gottes; der Lindigkeit Dessen, der sanftmütig und von Herzen demütig ist. Diese seine Lindigkeit soll in uns übergehen, und ach, wie sehr bedürfen wir dessen! Wir sind ja von Haus aus nicht linden Herzens. Wir sind von Natur hart, stolz, anspruchsvoll, rechthaberisch, unbarmherzig. darum gesegnet das Weihnachtsfest, wo ein linder Hauch die Herzen berührt, die sonst kalt und hart sind. Ja die Freude am Herrn, sie soll alle Härte und Kälte unsres Herzens lösen. Und was das Herz erfüllt, es werde dann auch kund, kund im freundlichen Gesicht, kund in den Worten, dass in diesen Tagen Keiner den Andern erzürne und kränke, erbittre und verletze, kund in den Werken, im Geben, Vergeben und Dienen, und zwar gegen alle Menschen. Lasst eure Lindigkeit kund sein allen Menschen. Nun wohlan, so geh denn in diesen Tagen hin, und wo dir Einer weh getan, da vergib; und wo du Einen gekränkt, da versöhne ihn; wo du mit Einem im Streit gelebt, da sprich das freundliche Wort, nach dem er sich vielleicht schon so lang gesehnt, und lass denen vor allem deine Lindigkeit kund werden, an die Keiner denkt, für die keine Hand sich rührt. Am hellsten aber lass das Weihnachtslicht in deiner nächsten Nähe scheinen, in deinem Hause. Da, zwischen Mann und Weib, Eltern und Kindern, Brüdern und Schwestern, da weiche in diesen festlichen Tagen alles harte, zornige, mürrische Wesen, aller Unfriede; da walte Lindigkeit und Güte. O großer Friedefürst, der du wieder nahe bist, gib uns deinen Frieden. Ewige Liebe, die wir wieder schauen, erfülle also unsre Herzen, dass wir über der Krippe die Hände einander reichen in Vergebung und Liebe zum Preise deiner Herrlichkeit. Amen.
Sorgt nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitte im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden.
Was ist die Sorge anders, als dass der Mensch den verloren hat, der sein Schutz und seine Zuflucht ist? Nun muss er allein und einsam stehen gegenüber den dunklen Weltmächten, er in seiner Ohnmacht. Nun muss ihm ja wohl in der Welt angst werden; er hat ja Keinen, an den er sich halten könnte. Wo aber der Herr nahe ist, da muss alle Sorge weichen. Denn in ihm haben wir den, in dem wir die Welt überwinden. Und darum weil der Herr uns nun wieder nahe kommt, darum sorgt nichts! Und wenn ihr das ganze Jahr sorgtet, o an diesem Fest, da werft sie einmal ab, alle Sorge! Sorgt nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitte in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden. Sorgt nichts, sondern betet. Wenn ihr Sorgen habt, verwandelt sie in Bitten! Schüttet euer Herz vor ihm aus, klagt ihm alle Not! Alle eure Sorgen werft auf ihn, er sorgt für euch. Gottes Sache ist's, Sorgen zu wenden, eure Sache, sie ihm anzubefehlen. Tut ihr das Eure, so wird er das Seine tun. „Weg hat er allerwegen, an Mitteln fehlt's ihm nicht.“ Und wenn das Herz euch noch so schwer wäre, sagt's ihm, klagt's ihm, und das Herz wird allemal frei werden, und still und getrost. Und wenn das noch nicht hilft, dann versucht das andere Mittel, dann danket! Großer Segen des Dankens, dass die Sorge vor ihm weicht. Wer noch danken kann, der sorgt nicht. Weil wir so undankbar sind, darum sind wir so sorgenvoll. O so lasst uns wider die Sorge, die traurige, finstre Macht, anlegen die doppelt heilige Rüstung, in der einen Hand das Gebet, in der andern den Dank. Sorgt nichts, sondern betet. Sorgt nichts, sondern dankt.